La Grande Nation möchte kein Facebook und kein Twitter

Paris, je t´aime! by soundso. / photocase.comKeine Sorge, die französischen Nachbarn sind jetzt nicht (noch) renitenter gegen die Amerikaner geworden als sonst… und es geht nicht um das tatsächliche Zugangsverbot zu den zeitverschwendenden Plattformen Facebook und Twitter.

Bereits Anfang der 90er Jahre erliess Frankreich ein Gesetz, dass Anglizismen in gesprochenen oder geschriebenen Nachrichten verbietet. Aus dem “Week-End” wurde die “Fin de Semaine” aus dem “Walkman” der “Balladeur“. 1992 Jahren erliessen die gesetzwütigen Franzosen auch ein weiteres Gesetz, das kommerzielle Werbehinweise in Nachrichtensendungen verbietet.

Die mit der Verfolgung beauftragte Behörde CSA hat nun die Praxis der Nachrichtensender und -verlage bemängelt, die stets auf Facebook und Twitter hinweisen. Das Gesetz befolgend darf nur von den Social Media Plattformen gesprochen werden, wenn es sich um Nachrichten zu dieser Plattform handelt – so zB in Bezug auf den Börsengang von Facebook.

In der digitalisierten Welt in der wir leben, wo Facebook das Drittgrößte Land der Welt ist erscheint eine solche Entscheidung einem erst mal für völlig abwegig und verleitet zu despektierlichen Gedanken in Richtung unser kulinarisch bewanderten Nachbarn.
Wenn man das Ganze jedoch mal wirklich reflektiert, so muss man den Mitarbeitern des Conseil Supérieur de l’Audiovisuel (CSA) doch Recht geben. Die permanente Nennung von einzelnen Diensten wie z.B. Facebook oder Twitter gewährt diesen TV Airtime in Millionen Höhe, ohne dass sie auch nur 1 Cent an die Fernsehwirtschaft gezahlt hätte. Weder der eine noch der andere ist auch nur ansatzweise in TV oder Print als Werbetreibender vertreten. In einem Management Offsite letztes Jahr mit den US Kollegen von CPX Interactive kamen wir auch schon mal auf das Thema, dass jedes Unternehmen freiwillig und unentgeltlich Werbung für Facebook macht.
Sie fragen sich wie? Ganz einfach: indem man auf allen Out-Of-Home, Print oder Online Kampagnen auf die Facebook Seiten hinweist. Sei es mit dem “f” Icon oder mit der Vanity URL www.facebook.com/MeineMarke.

Wo andere Marken Kooperationen schnüren müssen lebt Facebook davon, dass man sie eh überall erwähnt. Warum aber nutzen Unternehmen nicht einfach ihre Domain und verweisen hierüber auf Facebook? Also z.B. www.MeineMarke.de/fb oder www.MeineMarke.de/Facebook.

Fazit:

Ein Gesetz oder Verbot macht schon im Kindesalter keinen Sinn, dann auch erst recht nicht bei verantwortungsvollen Erwachsenen. Ich denke es war so der richtige Weg, um der Sache Herr zu werden.
Mir fällt jetzt keine andere wirklich relevante Social Media Plattform in Frankreich ein, aber in Deutschland wären die Herrschaften der VZ Netzwerke zweifelsohne begeistert von dem Gesetz. Es ist ein Zwiespalt zwischen “Nun ja, dass heute nunmal so!” bis zu “Das geht gar nicht, die bekommen ja kostenlose Werbung!”. So sehr eine Plattform wie Facebook oder auch Twitter in unsere Leben eingetreten ist, so sehr müssen wir darauf achten es Ihnen nicht zu einfach zu machen und damit den Wettbewerb zu untergraben. Am Ende des Tages entscheidet der User, welcher Plattform er vertraut; nur das machte Google so groß und mächtig und die Innovationskraft des Suchmaschinen-Giganten ist bis heute ungebrochen. Ob man in 5 Jahren noch von Facebook spricht? Ich denke dieses Jahrzehnt – trotz aktuell rückläufiger Zahlen – sicherlich.

Weitere lesenswerte Beiträge in dieser Sache von Matthew Fraser (Englisch) und Benoit Raphaël (Französisch oder mit Google Translate für non-frankophile).

 

Über Harald R. Fortmann

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