13. Dezember 2007
Behavioral Targeting als Horror-Szenario?
Kategorie:
Advertising Hotspot, Mein Senf

Meine liebe Ex-Mitarbeiterin (bei 24/7 Real Media) Claudia Riebeling, die vor einiger Zeit bei SinnerSchrader gelandet ist hat in deren MediaBrief das Thema Behavioral Targeting aufgegriffen. 

Hier Auszüge aus dem Text, gefolgt von meinem Fazit:

Behavioral Targeting ist zurzeit in aller Munde – allerdings eher in negativer Hinsicht. Die jüngsten Vorkommnisse bei Facebook lassen die Online-Welt aufhorchen. Unabhängig von dieser kritischen Berichterstattung gibt der Mediabrief einen kurzen und objektiven Überblick über das BT-Angebot der Vermarkter in Deutschland.

Obwohl uns die Tagespresse Glauben machen will, dass BT bereits weit verbreitet ist, steckt das Thema in Deutschland noch in den Kinderschuhen. (…)

Wo geht also die Reise hin, ist BT ein Thema der Zukunft auch in Deutschland? Glaubt man den ersten euphorischen Case Studies auf diesem Gebiet (so z.B. von Advertising.com oder nugg.ad), dann ist Behavioral Targeting das Allheilmittel für die Zielgruppen-genaue Ansprache.

Was aber der Traum vieler Werbetreibender ist – nämlich sein Budget möglichst ohne Streuverlust einzusetzen – wird für den privaten User immer mehr zum Horror-Szenario, da Profildaten mittlerweile extrem transparent dargestellt werden können.

Man kann nur hoffen, dass die Deutschen aus den Fehlern der ausländischen Anbieter lernen und sich diese Chance der relevanten Konsumenten-Ansprache nicht selbst verderben. (…)

Liebe Claudia,
hier werden Äpfel und Birnen vermischt!
Du kannst nicht die Pseudo Ansätze von Facebook mit excellenten Anbietern wie nugg.ad in einem Topf schmeissen. Das ist wie einen Lada mit einem Mercedes zu vergleichen: kann man, hinkt aber!
Ich habe ehrlich gesagt auch noch keine euphorischen Case Studies von Advertising.com oder nugg.ad gesehen, sondern positive Case Studies. Natürlich nimmt kein Unternehmen, und auch kein SinnerSchrader, eine schlechte Kampagne oder auch nur eine mittelmäßige für eine Case Studie her. In meinen Vorträgen zu BT weise ich aber auch immer auf die Knackpunkte hin, um hohe %tuale Konversionssteigerungen zu erreichen.
Ich kann auch nicht nachvollziehen, was denn die Fehler der ausländischen Anbieter sein sollen und schon gar nicht sehe ich BT als Horror-Szenario für den User.

Bei aller Freundschaft, hier hast Du deutlich über das Ziel hinausgeschossen und nicht wirklich Kompetenz bewiesen!
Am 14.12. ist eine Sitzung des BVDW AK Targeting, in der unter anderem auch zu den Bemühungen der EU Kommission eine Stellungnahme erarbeitet wird. Die anwesenden Unternehmen sind von solcher Reputation, daß daraus schon abzuleiten ist, daß es nie und nimmer zu einem Horros-Szenario in Deutschland kommen wird.

Behavioral Targeting habe ich gerade auf der OMF Tour als Trend vorgestellt und das ist es noch. Die Early Adaptors sind dabei und der Massenmarkt steht sicher noch bevor…

 
7 Reaktionen zu
Behavioral Targeting als Horror-Szenario?

Claudia Riebeling
14. Dezember 2007 | 11:47 Uhr


Lieber Harald,
ich kann Deine Kritik nicht ganz verstehen.

Die eigentliche Intention meines Artikels war, nur eine kurze Übersicht über die Anbieter von BT in Deutschland (deshalb hier die Quellenangaben) zu geben. Aber ich denke, dass es noch mehr Praxisbelege geben muss, damit man den Kunden das Thema auch mit gutem Gewissen verkaufen kann und das Ganze eine „saubere“ Datenangelegenheit wird. Das gilt es zu entwickeln und zu belegen.

Ich selbst finde das Thema Behavioral Targeting generell extrem spannend und eine gute und neue Möglichkeit für Werbetreibende ihre Zielgruppen zu erreichen. Aus persönlicher User-Sicht finde ich es allerdings ziemlich alarmierend, was die Transparenz und Verbreitung meiner persönlichen Daten angeht – speziell wenn ich die Verbreitung nicht mehr selbst steuern kann bzw. bestimmte Profil-Information automatisch freigeschaltet sind. Den Facebook-Usern ging es dabei ja anscheinend nicht anders. Facebook steht damit ja aber nicht alleine da – auch Amazon.de macht dieses mit seinem automatisch freigeschalteten „Wunschzettel“ oder Xing mit seiner neuen Funktion „Neues aus meinem Netzwerk“.
Ich finde, dass wir in Deutschland nicht die gleichen Fehler wie Facebook in den USA machen sollten, damit das Thema BT in Deutschland auch eine Chance erhält und eine feste Größe in der Werbewelt werden kann. Negative Presse wie die von Facebook kann Werbekunden verunsichern – und das ist sicher das Letzte, was die Online-Werbewelt gebrauchen kann.

Liebe Grüsse aus Ottensen!


Value Mountain » Blog Archive » Behavioral Targeting - kontrovers betrachtet
15. Dezember 2007 | 18:44 Uhr


[...] wie auch Harald R. Fortmann in seinem Blog erläutert, ist die Variante b) nicht mit der Variante a) gleichzusetzen, sondern davon deutlich [...]


Frank
22. Dezember 2007 | 11:41 Uhr


Hallo miteinander, zunächst finde ich es erst einmal gut, wenn zu BT Diskussionen stattfinden. Diese dürfen gern auch hitzig sein.

Unangebracht finde ich jedoch, den Facebookansatz und Behavioral Targeting, so wie wir es verstehen, in einen Topf zu werfen. Facebook targetet auf der Basis privater Intimitäten und holt sich daher zu Recht gerade eine blutige Nase.Targeting auf der Basis von grob kategorisierter Internetnutzung, ohne dass Namen, Adressen, ja nicht mal die IP verwendet werden, dazu in unserem Fall anonymes Userfeedback aus Befragungen – das ist etwas ganz anderes. Und – auch wenn das noch jeder akzeptieren mag – Behavioral Targeting ist nicht einfach so eine interessante Mode in der Werbung, sondern verändert das Spiel substanziell. Harald, keine Ahnung, wie ich in Deinem Blog eine URL einfüge, mache das jetzt einfach mal so und mit Verweis auf meine Prognosen zum Thema im blog.nugg.ad http://tinyurl.com/39bpfe

Allseits beste Grüße, Frank.


Andre
4. Januar 2008 | 17:53 Uhr


Lieber Harald Fortmann,

zunächst einmal ein frohes und gesundes neues Jahr und viel Erfolg in 2008.

Du schreibst in Deinem Beitrag: “Am 14.12. ist eine Sitzung des BVDW AK Targeting, in der unter anderem auch zu den Bemühungen der EU Kommission eine Stellungnahme erarbeitet wird. Die anwesenden Unternehmen sind von solcher Reputation, daß daraus schon abzuleiten ist, daß es nie und nimmer zu einem Horros-Szenario in Deutschland kommen wird.”

Jüngste Meldungen (http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/show-73907.html) über die Empörung der Xing-User, dass sogar Ihr Premium-Profil ungefragt (und voll automatisch) für die Einspielung von (teilweise sogar problematischer) Werbung per Targeting genutzt wird, widerlegt Deine Behauptung eindrucksvoll. Das Problem tritt also sehr wohl in Deutschland auf – ungeachtet jeglicher Reputationen der Dienste-Inhaber oder Arbeitskreis-Mitglieder. Xing reagiert hier (nachträglich!) mit genau jener Opt-Out-Funktion, die wir im Mediabrief in Frage gestellt haben. Wir sind der Meinung, dass dies der falsche Weg ist.

Beste Grüße und bis bald im AK
Andre


Harald R. Fortmann
5. Januar 2008 | 06:37 Uhr


Lieber Andre,

auch Dir ein frohes Neues Jahr, viel Erfolg und vor allem Gesundheit.

Ich könnte ja jetzt sagen, XING ist nicht Mitglied im BVDW und daher waren sie auch nicht Teil des AKs und daher auch nicht gemeint… Aber ja, Du hast Recht: was XING sich da geleistet hat ist ohne Zweifel grenzwertig.
Sicher kann ich Lars Hinrichs verstehen, daß er auf diese Weise versucht seine Umsatzströme zu erhöhen und letztendlich haben ja nur die Werbung gesehen (bisher), die nicht Premium Mitglied sind aber das Beispiel des Deutsche Bank Mitarbeiters mit Werbung des Mitbewerbers ist ohne Zweifel unglücklich. Nachträglich einen Opt-Out einzupflegen ist besser als nichts, aber er hätte von vornherein mit einem Default arbeiten können. Opt Out anbieten und dennoch erst mal als Default Opt in einstellen. Hätten sich immer noch welche aufgeregt, aber zumindest wäre von vornherein eine Option da gewesen. Zu Deinem Hinweis “ungefragt” ist fraglich, ob ein Anbieter erst den Nutzer fragen muß, ob er Werbung einblenden kann. Hier kommen wir zu dem Paradox, daß natürlich viele sich momentan aufregen und auf der anderen Seite intimste Details preisgeben.
Ich gebe Deinem Fazit Recht: es ist der falsche Weg. Was ich nur Schade finden, ist das einige Unternehmen diese ganze Disziplin in Verruf bringen.

Es bleibt eine spannende Entwicklung und die nächsten Monate werden zeigen, wohin die Reise geht.

Schönes Wochenende,
Harald


Harald R. Fortmann
5. Januar 2008 | 06:43 Uhr


Frank Wagner hat hier auch seine Meinung zu der XING Diskussion preisgegeben – er bringt es auf den Punkt.


» Blog Archive » Behavioral Targeting - kontrovers betrachtet
17. Januar 2008 | 08:57 Uhr


[...] wie auch Harald R. Fortmann in seinem Blog erläutert, ist die Variante b) nicht mit der Variante a) gleichzusetzen, sondern davon deutlich [...]

 
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