Jobmotor Internet-Wirtschaft (Rheinische Post)

Jobmotor Internet-Wirtschaft
VON SILKE FREDRICH

Die Online-Branche boomt. Allein die Vermarkter rechnen mit Einnahmen von 3,7 Milliarden Euro. Auf der Online-Marketing-Messe (OMD) präsentieren Firmen neue Geschäftsideen und suchen händeringend Fachkräfte.

Mehr als zwei Drittel aller Deutschen sind mittlerweile online. Sie surfen meist mit einem Notebook, das mobile Internet auf dem Handy wird durch passende Endgeräte ebenfalls immer attraktiver. Von diesem Boom will insbesondere die Werbewirtschaft profitieren. Sie hofft auf ein Gesamtergebnis von 3,7 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 29 Prozent bedeuten würde. Auch Software-Unternehmen, Web-Designer, Programmierer und Anwendungsentwickler wollen von der stabil wachsenden Branche profitieren.

NRW zählt neben Berlin und Bayern zu den Bundesländern, in denen überdurchschnittlich viele Menschen das Internet als selbstverständliches Medium nutzen oder selbst in der Branche arbeiten. Doch nach dem Ende des ersten Internethypes in den Jahren 2001 und 2002 ist die Branche unübersichtlich und in viele Teilbereiche aufgefächert worden. Für die Arbeitsagenturen ist es sogar kaum möglich zu sagen, wie viele Unternehmen in Deutschland überhaupt zur digitalen Wirtschaft gehören. „Wir können die Branche als ganze gar nicht mehr statistisch erfassen und genaue Ableitungen zu Jobentwicklungen insgesamt machen“, erklärt ein Sprecher der Regionaldirektion NRW. „Das ist auf Grund der Fülle an entstandenen Teilgebieten nur sehr spezialisiert möglich“, heißt es weiter.

Dennoch gilt die Branche als Wachstumsmotor und sorgt für neue Jobs. Allein im vergangenen Jahr kamen laut des Branchenverbandes Bitkom bei Software- und Internet-Service-Unternehmen 15 000 Jobs hinzu. Beim Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) sind zusätzlich an die 700 Unternehmen organisiert, die aus den Bereichen E-Commerce, Online-Werbung und Internet-Dienstleistungen kommen. Sie beklagen einen massiven Fachkräftemangel, insbesondere an Programmierern für neue Internet- und Mobilanwendungen fehlt es. Auch Experten für Online-Marketing werden händeringend gesucht. BVDW-Vizepräsident Harald R. Fortmann schätzt die offenen Stellen allein in diesem Segment deutschlandweit auf 20 000.

Zwar seien die Kapitalgeber nach dem Branchenchaos vor sechs Jahren vorsichtiger geworden, dennoch bietet die Branche laut Bitkom einen großen Reiz. Permanent würden neue Geschäftsfelder entwickelt und viele Dinge ausprobiert. „Besonders das Feld der sozialen Netzwerke boomt. Das Web 2.0 sorgt in der Branche für zusätzlichen Schub. Die Vermischung von IT und Internet sei ein lukrativer Markt geworden“, sagt ein Bitkom-Sprecher. So wird immer mehr Software im Internet angeboten und dort genutzt – und nicht mehr lokal auf dem Computer installiert.

Branchenriese Google hatte es bereits vorgemacht und Konkurrenz-Produkte von Microsoft Office im Internet zur kostenlosen Nutzung verfügbar gemacht. Ein lohnenswertes Geschäft, denn laut Bitkom wächst auch das Geschäft mit Internetzugängen weiter, so dass noch mehr Anwender die Angebote nutzen könnten.

Auf der Online-Marketing Messe, die heute in Düsseldorf startet, stellen mehr als 380 Aussteller ihre Ideen für den digitalen Markt vor. Insbesondere die Online-Werbung soll sich nicht mehr nur auf Webseiten oder Videos beschränken. Die Werbewirtschaft hat nach der anziehenden Nutzung des mobilen Internets auf dem Handy auch die Platzierung von Werbung auf Mobiltelefonen im Visier. Vorgeschaltete Spots, verlinkte Botschaften in Kurznachrichten oder Werbespots, die an kostenlose Zusatz-Anwendungen fürs Handy gekoppelt sind, bilden Ansätze für die Industrie.

Quelle: Rheinische Post

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